09452 912-0 rathaus@langquaid.de

Lappersdorf/Langquaid. Beim IHK-Werkstattgespräch „Resiliente Stadtentwicklung“ diskutierten jüngst rund 90 Experten und Bürgermeister aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim über die Zukunft der Ortszentren. Auch der Markt Langquaid war eingeladen, seine Strategie vorzustellen.

„Eine Innenstadt punktet mit ihrem einmaligen Charakter. Den wirtschaftlichen Erfolg unserer Region erbringt zu einem großen Teil das produzierende Gewerbe, doch auch innerstädtischer Handel und Dienstleister sind bedeutende Wohlstandsbringer. Darüber hinaus tragen sie wesentlich zur Identifikation der Menschen mit ihrem Ortskern bei“, sagte der Präsident der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim Michael Matt eingangs. Dabei sind die Herausforderungen angesichts der Corona-Pandemie größer geworden. „Nur wenn Leben in der Innenstadt herrscht, ist diese krisenfest aufgestellt“, so Matt. „Wir müssen die Menschen wieder von der Couch in das innerstädtische Wohnzimmer bekommen.“ Das sah auch der Oberpfälzer Regierungspräsident Walter Jonas in seinem Grußwort so. „Stadtentwicklung ist kein Selbstläufer. Sie kann nur gemeinsam mit den Akteuren vor Ort gelingen.“ Zusammen mit Experten aus Wirtschaft und Kommunen beleuchtete die IHK Strategien.

Leben für den Markt
Dass es auch im IHK-Bezirk neue, kreative und innovative Ideen zur Stadtentwicklung gibt, belegten die Gewinner des IHK-Kommunalentwicklungs-Award 2021 im Praxisgespräch. Brigitte Kempny-Graf, Projektmanagerin Soziale Stadt, berichtete in Vertretung des kurzfristig verhinderten Bürgermeister Herbert Blascheck, wie mit Hilfe des Städtebauförderprogramms „Soziale Stadt“ und mit der Strategie des Langquaider Wegs – einer quasi ausnahmslosen Fokussierung von Einzelhandelsansiedelungen auf  das Zentrum-  eine komplette bauliche „Runderneuerung“ und Revitalisierung des vor 20 Jahren noch völlig maroden Marktkerns gelang. Dabei seien neben 5 Mio Euro Fördermitteln, 5 Mio Euro kommunaler Mittel auch 25 Mio Euro privater Investitionen angestoßen worden. Zentrale Gebäude im Ortskern wurden saniert und werden inzwischen neu genutzt – für Wohnen, Handel, Hotellerie, Gastronomie und als Ärztehaus. Unternehmen fanden zurück in das Zentrum, gleichzeitig entwickelte das Stadtmarketing die Dachmarke „Lebenswert-Liebenswert-Langquaid“ mit dem Eyecatcher, dem leuchtend roten Langquaid-L, das auch den kürzlich völlig neu gestalteten Markenauftritt dominiert, um so eine stärkere Kundenbindung der Bevölkerung für den Standort zu schaffen. Markus Resch, Inhaber der gleichnamigen Metzgerei und Vorsitzender des Gewerbevereins Langquaid, konnte im Dialog mit Moderator Josef Ebnet, Bereichsleiter
Geschäftsbereich Verkehr, Handel und Stadtentwicklung IHK Regensburg/Kelheim und Sarah Fleischmann, Baurätin der Regierung der Oberpfalz, bestätigen, dass die Unternehmer dabei in die Entscheidungen mit eingebunden sind. Kempny-Graf wies auch auf die kontinuierliche Beteiligung aller Bürger hin, ebenso auf das sehr intensive Leerstandsmanagement des Marktes. Man lege dabei auch Wert auf regelmäßige Analyse und Evaluation. Veranstaltungen aller Art und (nah-)touristische Angebote trügen zu einer weiteren intensiven Belebung des historischen Zentrums bei, führte sie aus. Auch arbeite man an einem Abbau der Barrieren und einer neuen „Stadtmöblierung“. Sowohl Markus Resch als auch Brigitte Kempny-Graf betonten das hervorragende Miteinander aller Beteiligten als ein Faktor des Erfolgs.

Welche Rolle spielt der Handel noch?

Warum konzertierte Stadtentwicklung wichtig ist, zeigte Christian Eckert von der imakomm Akademie GmbH. Er präsentierte die Ergebnisse der nationalen Studie „Zukunftsfeste Innenstädte“. Knapp die Hälfte der befragten Kommunen gab an, dass der Einzelhandel in ihren Zentren künftig keine dominierende Rolle mehr spielen werde. Zudem rechnen die Befragten vermehrt mit Leerständen. „Ein neues Geschäftsmodel für die Zentren ist also nötig. Die Kommunen müssen anfangen umzudenken.“ so Eckert. „In einer resilienten Innenstadt ist der von Akteuren gern geäußerte Satz „Das haben wir immer schon so gemacht.“ nicht nur falsch, sondern mittlerweile sogar gefährlich für die Wettbewerbsfähigkeit des Zentrums. Er zeigt nämlich, dass es an Diversität der Meinungen, an Lust auf Wandel und an neuen Ideen fehlt. Genau das brauchen die Zentren aber mehr denn je.“

Bei der halbtägigen Veranstaltung gaben weitere Kommunen interessante Beispiele aus ihrer Praxis. Barbara Schelle,  Stadtbaumeisterin der Stadt Freising zeigte in ihrem Vortrag die Umgestaltung der Altstadt von Freising. Durch umfangreiche städtebauliche Maßnahmen, darunter die Freilegung der Moosach im Stadtgebiet und die Neugestaltung der gesamten Hauptstraße, sowie der Umwidmung weiter Teile der Innenstadt zur Fußgängerzone, wurde die Aufenthaltsqualität enorm gesteigert. „Um die Akzeptanz für solch einschneidende Baumaßnahmen zu gewinnen, ist es absolut erforderlich, auch die Unternehmen vor Ort sowie die Anwohner in die Entscheidungsprozesse mit einzubinden.“ bestätigte Schelle.

Über ein „Stadtlabor“ als Zwischennutzung eines Leerstandes in Amberg berichtete die dortige Wirtschaftsförderin Verena Fitzgerald. Neben digitalen Schaufenstern, Showrooms und Verkaufsbereichen gibt es dort beispielsweise flexible Arbeitsplätze für Co-Working.

Für die Stadt Cham präsentierte Bürgermeister Martin Stoiber mit der Kampagne „Cham blüht auf 2021 – ein Sommertraum“ eine Möglichkeit, unter Beachtung aller Hygiene- und Abstandsregeln während der Corona-Pandemie den Händlern eine Perspektive und den Bürgern mehr Lebensqualität zu bieten. Mithilfe von umfangreichen Bepflanzungen, verteilt im gesamten Innenstadtgebiet, oder dem rathausnahen Märchenwald wurde so eine Aufenthaltsqualität geschaffen, die Kunden und Touristen in die Innenstadt locken soll.  Außerdem wurden im Stadtkern Schaufenster zu Galerien regionaler Künstler. Helmut Hagner von der Unternehmensgruppe Frey konnte positive Effekte durch die Aktion wahrnehmen, appellierte aber auch, weiter dranzubleiben. „Sowohl Politik als auch Händler müssen sich weiterentwickeln und offen für neue Ideen bleiben.“

Damit auch andere Kommune ihre Zentren auf Vordermann bekommen können, stellt die Städtebauförderung umfangreiche Mittel zur Verfügung. So stellte  Dr. Hubert Schmid – Sachgebietsleiter Städtebau bei der Regierung der Oberpfalz – das Förderprogramm „Innenstädte beleben“ vor. Mit 100 Millionen Euro hat Bayerns Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr die Kommunen bei Projekten zur Belebung der Innenstädte unterstützt.

Im Anschluss an die interessante Veranstaltung diskutierten Referenten und Besucher noch ausführlich die erhaltenen Impulse.

Bildunterschrift:

Informierten über die Zukunft der Ortszentren: Dr. Hubert Schmid, Sachgebietsleiter Städtebau der Regierung der Oberpfalz, Sarah Fleischmann, Baurätin Städtebau der Regierung der Oberpfalz, Josef Ebnet, IHK Stadtentwicklungsexperte, Martin Stoiber, Erster Bürgermeister Stadt Cham, Verena Fitzgerald, Wirtschaftsförderin Stadt Amberg, Helmut Hagner, Leiter der Unternehmensgruppe Frey, Daniela Hottner, Inhaberin ZENTRAL schönes & feines, IHK-Präsident Michael Matt, Brigitte Kempny-Graf, Wirtschaftsförderin Markt Langquaid, Markus Resch, Vorsitzender Gewerbeverein Langquaid, Christian Eckert, Projektmanager imakomm AKADEMIE GmbH, Barbara Schelle, Stadtbaumeisterin Stadt Freising (Foto: IHK)

Info: Die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim

In der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim sind rund 84.000 Unternehmen aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim organisiert. Sie profitieren vom Service der IHK, wenn es um standortrelevante Themen, Fachkräftesicherung und Außenwirtschaft geht. Rund 400 Unternehmerinnen und Unternehmer engagieren sich ehrenamtlich in den regionalen IHK-Gremien und Fachausschüssen. Hier erarbeiten die IHK-Mitglieder die Standpunkte der regionalen Wirtschaft – kommunal, auf Landesebene und über die IHK-Organisation bundes- und europaweit.

Text: Peter Burdack IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim / Brigitte Kempny-Graf

 

Click to listen highlighted text!